Die Bundesrepublik ist kein Land der Pazifisten, analysierte Prof. Neitzel am 18. November in der Rede der Stresemann-Gesellschaft. Die Wiederbewaffnung war Voraussetzung für die Wiedererlangung einer Teilsouveränität des Landes. Bis zur Wiedervereinigung brachte das Land rund 3 Prozent seines Brutto-Inland-Produktes für die Verteidigung auf. Danach musste Deutschland seine Rolle in der Welt (neu) finden und entwickelte zwei Referenzpunkte für die Außenpolitik: Nie wieder Krieg und nie wieder Täter sein. „2001 hatte die Bundesrepublik klammheimlich die Landes- und Bündnisverteidigung aufgegeben und sich in den folgenden Jahren ganz auf Auslandseinsätze eingestellt, die möglichst ohne direkte deutsche Involvierung in Kampfeinsätze über die Bühne gehen sollten.“, stelle Neitzel fest.
Aktuell, spätestens seit dem Beginn des Ukraine-Krieges vermisst Neitzel eine eigene, prägende Außenpolitik. Die Bundeswehr soll als „Zeitenwende“ mit einem Schulden-Kraftakt von 100 Mrd Euro wieder eine funktionale Institution werden, hat Kanzler Scholz angekündigt. Das läuft, so Neitzel, auf eine Neugründung der Bundeswehr hinaus, letztlich darauf, die Bundeswehr kriegsfähig zu machen.
In einem Gastbeitrag für Focus online vom 21. November 2022 resümierte Neitzel: „Scholz versprach die Zeitenwende – jetzt folgt eine bittere Erkenntnis.“
Hier ein Zusammenschnitt der Rede am 18. November 2022:
